Genkarte des Weizens zu 95 Prozent entschlüsselt

18.12.2012 Forschung & Technik

Erträge und Qualitäten können gezielter verbessert werden

Einem internationalen Wissenschaftlerteam ist es erstmalig gelungen, eine Karte für die rund 96 000 Gene des Weizenerbguts zu erstellen. Das berichtete das Fachmagazin Nature in der Ausgabe vom 29. November 2012. Die neuen Kenntnisse sollen dazu beitragen, die Züchtung deutlich zu beschleunigen und die seit den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts herrschende Ertragsstagnation zu überwinden.

Die Forscher des Helmholtz Zentrums München, der Universitäten Bristol und Liverpool sowie des John Innes Centres in Norwich (Großbritannien) entwickelten dafür eigens neue Analysemethoden. Denn Brotweizen verfügt über das größte und komplizierteste Erbgut, das bislang entschlüsselt werden konnte. 17 Milliarden Basenpaare und 94 000 bis 96 000 Gene. Zum Vergleich: Der Mensch hat nur um die 20 000 Gene. Dass das Weizenerbgut darüber hinaus aus drei unabhängigen Genomen verwandter Arten besteht, macht seine Erforschung auch nicht gerade einfacher. Die Forscher vermuten, dass gerade diese Komplexität den Weizen so anpassungsfähig und dadurch erfolgreich macht. 95 Prozent der Gene sind nun identifiziert. Von zwei Dritteln können die Forscher sagen, zu welchem Teilerbgut des Weizens sie gehören. Bis 2016 soll dievollständige Sequenz samt Zuordnung der Gene zu jedem der 21 Weizen-Chromosomen vorliegen. 

Initialzündung für die Weizenzüchtung

Die Forschungsergebnisse stehen nun jedermann zur Verfügung. Damit erhoffen sich die Wissenschaftler rund um den Münchener Dr. Klaus Mayer eine Initialzündung für die züchterische Verbesserung der weltweit drittwichtigsten Nahrungspflanze, zum Beispiel durch größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und höhere Toleranz gegenüber Hitze- oder Trockenstress. 

Sind Ort und Funktion der Gene bekannt, wird es einfacher, Sorten mit den gewünschten Eigenschaften zu entwickeln. Züchter erzielten bei Reis in den letzten Jahren bereits große Fortschritte. Besonders die molekulare Pflanzenzüchtung soll nach Meinung der Wissenschaftler profitieren. Dabei werden molekulare Marker eingesetzt, die sich an spezifische Gene heften. Die Marker helfen, Pflanzen mit besonderen Merkmalen zu identifizieren und damit den Züchtungsprozess zu beschleunigen.Dies gelingt beispielsweise durch die Analyse kleiner Pflanzensegmente und ohne abzuwarten, bis die Pflanze ausgewachsen ist.

Weitere Beiträge:

Beliebte Beiträge

Umwelt & Verbraucher 04.12.2017

Boden des Jahres 2018: Der Alpenboden

Forschung & Technik 28.11.2017

Forschungsziel Trockenstresstoleranz

Schule & Wissen 23.11.2017

Auberginen müssen reif sein

Haus & Garten 21.11.2017

Baum des Jahres 2018: Die Ess-Kastanie

Forschung & Technik 15.11.2017

Agritechnica: Konjunkturlokomotive Landtechnik

Haus & Garten 30.11.2017

Reden Sie mit Ihren Zimmerpflanzen!?

Forschung & Technik 07.12.2017

Strom aus Tomaten?