Das Wiederaufleben von Emmer und Einkorn

22.11.2016 Forschung & Technik

Durch Urgetreide könnte mehr Abwechslung auf unsere Teller kommen

Viele Urgetreidearten wie Dinkel, Emmer und Einkorn sind in Vergessenheit geraten. Die moderne Weizenzüchtung hat ein leistungsfähiges Getreide für die menschliche und tierische Ernährung hervorgebracht, doch auch die alten Urweizen haben einiges zu bieten, meinen die Hohenheimer Wissenschaftler Dr. Friedrich Longin und Dr. Tobias Würschum.

60 Prozent des weltweiten Energiebedarfs der Menschen werden heute von fünf Getreidearten gedeckt: Reis (Oryza sativa), Mais (Zea mays), Hirse (Pennisetum glaucum, Setaria italica, Panicum miliaceum, Eleusine coracana), Sorghum (Sorghum bicolor) und Brotweizen (Triticum aestivum). Die Urweizen Emmer und Einkorn sind seit dem letzten Jahrhundert in Vergessenheit geraten und es gibt sie nur noch im Spezialitätenhandel. Die beiden Hohenheimer Wissenschaftler Dr. Friedrich Longin und Dr. Tobias Würschum setzen sich für die Renaissance von Emmer und Einkorn ein. Sie nahmen eine Vorauswahl von Sorten vor, im Fachjargon Akzessionen genannt, von denen sie annahmen, dass sie mit unseren klimatischen Bedingungen zurechtkommen. Diese überprüften sie in ersten Feldversuchen auf ihr Wachstumsverhalten und ihre agronomischen Eigenschaften Ertrag, Proteingehalt und Körnerqualität. 15 Kandidaten schafften die nächste Stufe von Anbauversuchen an vier verschiedenen Standorten.

Dabei zeigte sich, dass Emmer sich als Basis für eine breite Produktpalette eignet und Einkorn aufgrund seines hohen Gehalts an wertvollen Inhaltsstoffen wie Luteine, Sterylferulate, Vitamin E sowie aufgrund seines nussigen Aromas auch als gesundheitsfördernde Alternative beworben werden kann. Allerdings müssen die jetzigen Sorten für den groß angelegten Anbau weiter züchterisch bearbeitet werden. Es gilt, die Wachstumshöhe zu verringern, die Standfestigkeit der Halme zu erhöhen und den „Harvest-Index“, das Verhältnis von geernteten zu nicht nutzbaren Teilen einer Pflanze, zu verbessern.

Quelle: pflanzenforschung.de