Bt-Maispollen unschädlich für Bienenlarven

27.03.2012 Forschung & Technik

Würzburger Wissenschaftler stellen Ergebnisse aus neuem In-Vitro-Test vor

Forscher der Universität Würzburg untersuchten erstmals die Verträglichkeit von Bt-Maispollen für Honigbienenlarven unter kontrollierten Laborbedingungen. Im Januar 2012 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse: Weder der Pollen von Bt-Mais MON810 noch der einer Bt-Maissorte, die drei verschiedene Bt- Proteine bildet, zeigte eine schädliche Wirkung auf Larvenstadien der Bienen.

Erster In-Vitro-Larventest mit Bt-Mais

Die Verträglichkeit von Bt-Mais wurde bisher meist an ausgewachsenen Bienen erforscht, obwohl die Bt-Proteine nur die Larvenstadien verschiedener Schädlinge angreifen. Nun führten Würzburger Wissenschaftler erstmals einen In-Vitro-Larventest durch. Sie entwickelten ein System, bei dem die Königin ihre Eier im Bienenstock in künstliche Waben ablegt, die nach einer bestimmten Zeit in einen Klimaschrank überführt werden. Dort entwickeln sich die Larven bei einer konstanten Temperatur, unbeeinflusst von Umweltfaktoren oder dem Brutpflegeverhalten im Stock.

Larvenfütterung mit fünf verschiedenen Maispollen

Schweizer Forscher fanden im Darm von Bienenlarven, deren Volk nur Maispollen zur Verfügung standen, 1,5 bis zwei Milligramm Pollen. Also gab man dem Futter jeder Larve in der Würzburger Studie zwei Milligramm Maispollen zu. Jeweils 20 Larven verzehrten Pollen von einer der fünf getesteten Maissorten, darunter zwei Bt-Maissorten: Zum einen Bt-Mais MON810, der ein Bt-Protein gegen den Maiszünsler bildet, und zum anderen MON89034 x MON88017 mit zwei Bt-Proteinen gegen den Maiszünsler und einem gegen den Maiswurzelbohrer. Zum Vergleich wurde der Pollen dreier konventioneller Maissorten verfüttert. Eine Gruppe erhielt Futter ohne Pollen, eine weitere Kontrollgruppe Pollen einer Zierpflanze, der bekanntermaßen giftig für Bienen ist.

Der Test startete mit drei Tage alten Larven. 120 Stunden dauerte die Fütterungsphase. Dabei wurde der natürliche Weg der Pollenaufnahme simuliert. Währenddessen wurden die Larven beobachtet und ihre Sterblichkeit erfasst. Um Hinweise auf mögliche chronische und nicht-tödliche Auswirkungen zu bekommen, wurden die Larven vor der Verpuppung gewogen.

Deutliches Ergebnis: Bt-Proteine kein Risiko für Bienen

Alle Larven, die mit Bt-Maispollen gefüttert wurden, überlebten bis zur Verpuppung. Bei Fütterung mit Pollen der konventionellen Maissorten sank die Überlebensrate geringfügig, in der mit giftigem Pollen gefütterten Gruppe sank sie extrem. Das Gewicht der kurz vor der Verpuppung stehenden Larven wurde durch die verschiedenen Maispollen nicht beeinflusst. Die Wissenschaftler empfehlen, ihren Larventest als Standardmethode für zukünftige Risikobewertungen anzuwenden – nicht nur bei gentechnisch veränderten Pflanzen, sondern auch bei  Pflanzenschutzmitteln, die in allen Pflanzenteilen und damit auch im Pollen enthalten sein können.

Fazit aus 25 Jahren biologischer Sicherheitsforschung

Wissenschaftler der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, des Julius Kühn-Instituts (JKI) und des Bundesforschungsministeriums (BMBF) zogen im Januar in Berlin ein eindeutiges Fazit: In 25 Jahren biologischer Sicherheitsforschung ist kein einziger Hinweis auf Gefährdungen durch gentechnisch veränderten Bt-Mais gefunden worden. Er sei demnach so sicher wie konventioneller Mais. Bt-Mais wirkt gezielt auf bestimmte Schädlinge, ohne andere Organismen auf dem Feld zu beeinträchtigen. Deshalb, so die Wissenschaftler, sei er sogar besonders geeignet, die Artenvielfalt auf dem Feld zu schützen. Darüber hinaus könne beispielsweise der Anbau herbizidtoleranter gv-Sorten helfen, die Bodenfruchtbarkeit zu schützen und Bodenerosionen zu vermeiden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte in den letzten 25 Jahren etwa 120 Projekte zur Sicherheitsbewertung gentechnisch veränderter Pflanzen. Bisher konnte bei keiner der untersuchten gentechnisch veränderten Pflanzen ein schädigender Einfluss auf die Umwelt nachgewiesen werden.

Mehr unter www.biosicherheit.de

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