Bio-Kraftstoffe von Dürre-toleranten Pflanzen

02.11.2006 Forschung & Technik

Chancen für eine wirtschaftliche Entwicklung in Regionen, die von Armut und Hunger geprägt sind.

In den oft vernachlässigten Dürregebieten der Dritten Welt, den drylands, können Dürre-tolerante Pflanzen Rohstoffe für die Herstellung von Bio-Kraftstoffen liefern. Voraussetzung ist, dass es entsprechend gezüchtete Pflanzensorten sind, die mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen von weniger als 400 mm zufrieden sind. Damit bietet sich einerseits den dort in Armut lebenden Menschen die Chance eines Einkommens, mit dem sie sich mehr Nahrungsmittel leisten können. Andererseits stellen solche nachwachsenden Rohstoffe in Form von Zucker oder Öl einen wichtigen Beitrag zur Bio-Kraftstoff-Zukunft dieser Länder dar.

So enthält der Saft, der aus den Halmen bestimmter Sorten der Zuckerhirse gepresst wird, etwa 15 bis 20 Prozent Zucker. Er kann viel billiger zu Bio-Ethanol fermentiert werden als die Melasse, die bei der Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr anfällt. Als eine dryland-Pflanze benötigt die Hirse außerdem weitaus weniger Wasser als Zuckerrohr. Ein weiterer Vorteil der Dürre-toleranten Zuckerhirse-Sorten ist, dass sie neben dem Zucker auch Körner für die Ernährung der Menschen liefern.

Das indische Forschungs-Zentrum für Hirse (NRCS) hat schon seit langem das Potenzial der Zuckerhirse erkannt und exzellente, sich frei bestäubende Varietäten und einige Hybriden gezüchtet. Dabei wurden Pflanzen-Linien mit hohen Zucker-Gehalten aus der Keimplasma-Sammlung für die Hybrid-Züchtung identifiziert.
Hybriden sind außerdem weniger vom Photoperiodismus – abhängig. Das heißt, sie können das ganze Jahr über wachsen, so dass die Ethanol-Produktionsanlagen gleichmäßig ausgelastet werden können.

Auch für die Bio-Diesel-Produktion gibt es Dürre-tolerante Pflanzen. So z. B. die in der Sahel-Zone als Eingrenzung von Gärten verwendete Staude Jatropha curcas. Seine Früchte, die Pugiernüsse, enthalten etwa 35 Prozent Öl, das für Bio-Diesel geeignet ist. Indien fördert auch diese Pflanze, die an Bahnlinien wächst und vielfach als Garten-Hecke üblich ist. Das Öl der Nüsse wird mit dem herkömmlichen Diesel-Öl verschnitten.