Home Kontakt Links Suche Sitemap Impressum
 
 
Ausblick
 
 

Konsequenzen für die Industrie

Mit dem Biozidgesetz soll "dem vorbeugenden Schutz von Umwelt und Gesundheit Rechnung getragen und der Verbraucherschutz gestärkt" werden. Dies ist ein begrüßenswertes Ziel, und es wird von der Industrie mitgetragen, sofern dies in sinnvoller und praktikabler Weise geschieht.

Leider droht sich aber ein Großteil der Probleme, die bereits im Pflanzenschutzbereich auftraten, bei den Bioziden zu wiederholen: Die schleppende Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht, nationale Zusatzforderungen, unklare Regelungen zum Datenschutz, langwierige und teure Review-Verfahren. Hinzu kommt die Tatsache, dass vor allem kleinere und mittlere Unternehmen betroffen sind, die oft keine Erfahrung mit Zulassungsverfahren haben.

All dies wird zu einer drastischen Reduktion der am Markt verfügbaren Wirkstoffe führen: Derzeit sind 1.400 Wirkstoffe auf dem Markt, aber nur 350 davon sind bei den EU-Behörden notifiziert. Die Mehrzahl wird also zum September 2006 vom Markt verschwinden.

Kleinunternehmen besonders betroffen

Ein Trend zur Marktbereinigung auf Kosten von Kleinunternehmen zeichnet sich ab. Die Ursache dafür ist nicht etwa in der Qualität der Produkte oder der besonderen Gefährlichkeit der Wirkstoffe zu suchen. Sie liegt vielmehr in den hohen Zulassungskosten, die eine rentable Vermarktung für viele Produkte nicht mehr gewährleisten.

Die Industrie – sowohl Wirkstoffhersteller als auch Formulierer – befürchtet außerdem Wettbewerbsnachteile gegenüber Nicht-EU-Ländern. Es ist zu befürchten, dass hiervon auch IVA-Mitgliedsfirmen betroffen sein werden, denn die Biozid-Richtlinie bedeutet große Belastungen für die Industrie: Der gewaltige bürokratische und finanzielle Aufwand auf europäischer und nationaler Ebene wird sich unmittelbar auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit auswirken.

Anders als beim Pflanzenschutz ist nämlich mit der Entwicklung neuer Wirkstoffe kaum zu rechnen, weil die vergleichsweise geringen Umsätze und Gewinnspannen in den Biozidmärkten die hohen Entwicklungskosten von vielen Millionen Euro nicht rechtfertigen.

Bürokratieabbau statt Überregulierung

Für die Zukunft stellt sich die Frage, ob mit den wenigen verbleibenden Wirkstoffen und Produkten der heutige hohe Standard im Gesundheits-, Hygiene- und Materialschutz überhaupt gehalten werden kann.

Außerdem bleibt abzuwarten, ob der Verbraucher durch die Überregulierung tatsächlich wirkungsvoller geschützt ist und das Vertrauen in die Sicherheit der Produkte verbessert werden kann.

Ein sinnvollere Alternative wäre es, den Verbraucher in die Lage zu versetzen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Die IVA-Mitgliedsfirmen tragen dazu schon lange bei, indem sie ihre Produkte mit klaren, transparenten Gebrauchsanweisungen und Kennzeichnungsinformationen versehen.

Nun ist die Politik gefordert: Bürokratieabbau statt Überregulierung und eine Versachlichung der Diskussion wären wichtige Schritte hin zum mündigen Verbraucher.

 
 Home   Zurück