Rund 10 Jahre vergehen von der Entdeckung einer neuen Substanz, die sich für
den Pflanzenschutz eignet, bis zum verkaufsfertigen Produkt. Etwa 100.000 Verbindungen
werden synthetisiert, um einen erfolgreichen Wirkstoff zu finden. 200 Millionen Euro
müssen durchschnittlich investiert werden, um ein neues Produkt zur Zulassung
und in wichtigen Kulturen und Ländern auf den Markt zu bringen.
Bereits diese wenigen Kennzahlen verdeutlichen den hohen Aufwand, der hinter der
Entwicklung eines neuen Pflanzenschutzmittels steht. Er war wesentliche Triebfeder
für den Konzentrationsprozess, der sich in den letzten Jahren in dieser Branche
vollzogen hat. Weltweit sind es derzeit noch sechs Unternehmen, die innovative Wirkstoffe
und Verfahren auf den Markt bringen. Acht bis zwölf Prozent ihres Umsatzes geben sie
jährlich für Forschung und Entwicklung aus.
Hohe Anforderungen an die Sicherheit
Fünf bis zehn neue Pflanzenschutz-Wirkstoffe erlangen weltweit jährlich die Marktreife.
Innovationen sind notwendig, weil sich die Schadorganismen an bestehende Produkte und Verfahren des
Pflanzenschutzes anpassen. Daneben verlangen neue Kulturen und Anbausysteme in der Landwirtschaft
neue Bekämpfungsstrategien. Vor allem aber spielt der Wunsch nach noch mehr Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln eine wichtige Rolle.
Alle Pflanzenschutzmittel benötigen eine amtliche
Zulassung,
bevor sie auf den Markt gebracht werden können. Sie müssen unbedenklich für Mensch und Tier und
ohne unvertretbare Belastungen für die Umwelt angewandt werden können. Um potenzielle Risiken zu minimieren,
sind die Anforderungen für die Zulassung ständig gestiegen. Die forschenden Unternehmen führen während der
Entwicklung eines Mittels über 100 verschiedene, zum Teil mehrjährige Studien durch, die den Behörden zur
Bewertung vorgelegt werden.
Forschen für Mensch und Umwelt
- Abbauverhalten und Rückstände
in der Umwelt
Um abzuschätzen, in welchem Ausmaß Mensch, Tier und Umwelt einer Substanz ausgesetzt sind, werden
die Rückstände der Ausgangssubstanz sowie das Abbauverhalten und die dabei entstehenden Stoffe
untersucht.
- Toxikologie
Auf Basis von Ergebnissen verschiedener Langzeit-Untersuchungen wird die duldbare tägliche
Aufnahmemenge ermittelt, der so genannte ADI-Wert (acceptable daily intake). Ein Hundertstel der
Menge, die im Tierversuch als sicher befunden wurde, gilt in der Regel für den Menschen als
unbedenklich.
- Ökotoxikologie
Untersucht werden die Auswirkungen eines Mittels z. B. auf Wasserorganismen, auf Nützlinge oder
Flora und Fauna in Rand- und Nachbarflächen behandelter Kulturen. Weitere Versuche geben Aufschluss
über die Anreicherung von Rückständen in der Nahrungskette.
Pflanzenschutzmittel regelmäßig auf dem Prüfstand
Die
Zulassung
eines Pflanzenschutzmittels ist auf maximal zehn Jahre begrenzt. Spätestens dann wird überprüft, ob ein
Produkt und sein Wirkstoff noch den Anforderungen entsprechen, die man zu diesem Zeitpunkt an ein sicheres und
umweltverträgliches Pflanzenschutzmittel stellt. Liegen früher schon neue wissenschaftliche Erkenntnisse
vor, kann jederzeit eine Neubewertung und Überprüfung der Zulassung erfolgen.