Gentechnik und nachhaltige Landwirtschaft
Seit 20 Jahren erweitert die Grüne Gentechnik die klassischen
Züchtungsmethoden. Mittels gentechnischer Verfahren können
heute einzelne vorteilhafte Eigenschaften gezielt in einen Organismus
eingebaut oder unerwünschte Eigenschaften daraus entfernt
werden. Ziel ist zum Beispiel der Schutz von Kulturpflanzen vor
Krankheiten und Schädlingen. Insbesondere in ärmeren
Ländern können solche Pflanzen dazu beitragen, dass
Ernten gesichert werden.
In vielen Regionen der Erde ist der Anbau von Kulturpflanzen
aus klimatischen Gründen oder wegen der Bodeneigenschaften
eingeschränkt oder sogar unmöglich. Hitze, Kälte
oder Trockenheit behindern die landwirtschaftliche Produktion.
Zudem wächst die Fläche versalzter und damit für
den Ackerbau unbrauchbarer Flächen jährlich weltweit
um rund 10 Millionen Hektar. Durch gentechnische Verfahren konnten
bereits erste Nutzpflanzen so verändert werden, dass sie
auf Böden gedeihen können, die bisher für einen
Kulturanbau völlig ungeeignet waren.
Bodenerosion stellt eine andere bedeutende Gefährdung der
Landwirtschaft in vielen Regionen der Welt dar. Pfluglose Anbaumethoden
sind hier ein wichtiger Beitrag, um die Erosion einzudämmen
und das Ertragspotenzial der Ackerflächen zu erhalten. Dazu
können herbizidtolerante Pflanzen beitragen. In Kanada wendet
die Hälfte aller Landwirte, die herbizidtoleranten Raps anbauen,
die so genannte Direktsaatmethode an. Das schont den Boden, vermindert
den Abtrag und reduziert die negativen Auswirkungen auf das Bodenleben.
Gleichzeitig verwenden sie entsprechend dem Konzept des Integrierten
Pflanzenschutzes weniger Pflanzenschutzmittel.
Innovationspotenziale der Grünen Gentechnik
Noch in den 80er Jahren wurde von den meisten Menschen die Gentechnik
zur Erzeugung von Medikamenten abgelehnt. Etwa 15 Jahre später
ist nahezu nichts davon übrig geblieben. Wie erfolgreich
heute gentechnisch produzierte Medikamente sind, zeigt folgende
Zahl: Im Jahr 2000 stammten 40 % aller neu zugelassenen Medikamente
aus gentechnischer Produktion. Nun kommt es darauf an, auch die
Potenziale der Grünen Gentechnik zu nutzen - vorsichtig und
verantwortungsvoll, wie seinerzeit zu Beginn der pharmazeutischen
Biotechnologie.
Zahlreiche Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der
gezielten Veränderung der Inhaltsstoffe von Pflanzen. Hierzu
gehören z. B. Pflanzen mit erhöhtem Vitamin- oder Ballaststoffgehalt
oder speziellen Fettsäuren. Je nach Art und Menge können
diese Inhaltsstoffe einen wichtigen Beitrag u. a. zur Krebsprävention
oder zur Prophylaxe von Herz-Kreislauferkrankungen leisten.
Speziell in Entwicklungsländern könnten sie die Versorgung
mit wichtigen Nahrungsbestandteilen (Vitaminen und Eisen) deutlich
verbessern. Ein bekanntes Anwendungsbeispiel hierfür ist
der „Goldene Reis“. Sein Korn enthält Provitamin
A, welches im menschlichen Körper in Vitamin A umgewandelt
wird. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, dass in einigen
Jahren der chronische Vitamin A-Mangel reduziert werden kann,
an dem heute Millionen von Menschen in asiatischen Ländern
leiden und der bis zur Erblindung führen kann.
Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung werden drei
große Verbundprojekte finanziert, deren Ziel die Entwicklung
von gesundheitsfördernden Lebensmitteln mit Hilfe gentechnischer
Methoden ist:
- Gentechnische Veränderung von Raps zur Erzeugung von
gesundheitsfördernden Speiseölen (Projekt „Napus
2000“)
- „Krankheitsprävention durch Ernährung / funktionelle
Lebensmittel“ zur Erzeugung von krankheitsvorbeugenden
Lebensmitteln
- Verbundprojekt „Zöliakie“: Entwicklung von
transgenen Getreidesorten, die bei Zöliakie-Patienten keine
Nahrungsmittelunverträglichkeit mehr auslösen.
Pflanzen sind auch eine ideale Quelle für nachwachsende
Rohstoffe. Hierzu zählen z. B. Rapspflanzen, die überwiegend
nur noch solche Fettsäuren enthalten, die als Rohstoff in
der Farben- und Photo-Industrie benötigt werden.
Für die Humanmedizin ist das so genannte "Molecular
Pharming" viel versprechend. Dabei werden Pflanzen gentechnisch
so optimiert, dass sie in ihren Blättern oder Samen Medikamente
oder Impfstoffe produzieren. Im Vergleich zur klassischen chemischen
Synthese könnten Arzneimittel auf diese Weise mit weniger
Energie- und Rohstoffverbrauch erzeugt werden. Die Herstellung
von pharmazeutisch wirksamen Substanzen kann preiswerter und umweltverträglicher
erfolgen.
| Nutzbringende Inhaltsstoffe |
Vitamine (Bsp. Vitamin
E, Pro-Vitamin A), Flavonoide, Fettsäuren (Bsp.
omega-3-Fettsäuren), neue Zuckerstoffe (z.B. kalorienarmer
Zucker, antikariogener Zucker), Entfernung von Allergenen
und antinutritiven Substanzen, veränderte Protein-
und Aminosäurezusammensetzung (z.B. bei Cassava) |
| Anbauverbessernde
Eigenschaften |
Krankheits- und Schädlingsresistenzen
(Insekten, Pilze, Viren) Stresstoleranz (Hitze, Dürre,
Kälte, Salz) |
| Verbesserte Verarbeitungsqualität |
z.B. Steigerung der
Backqualität von Mehl |
| Medizinische Nutzung |
Molecular Farming
(Erzeugung von Impfstoffen und therapeutischen Proteinen
in Pflanzen) |
| Pflanzen als nachwachsende
Quelle für Industrierohstoffe |
Fettsäuren,
Biokunststoffe, Feinchemikalien, Biomasse (Energiegewinnung) |
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Situation in Deutschland
Innovationen in der Biotechnologie schaffen wettbewerbsfähige
Produkte und zukunftssichere Arbeitsplätze. Experten rechnen
auf dem Weltmarkt mit einem Zuwachs an Biotechnologie-Produkten
in zweistelligem Prozentbereich. Neben dem großen Bereich
der Medizin spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Die
konsequente Nutzung der Grünen Gentechnik ist ein wesentlicher
Beitrag, die Ernährung einer weiter wachsenden Weltbevölkerung
zu sichern.
In Deutschland ist die Forschung im Bereich der Grünen Gentechnik
auf einem hohen Stand. Bei der Anwendung dagegen drohen wir hinter
die Entwicklungsländer zurückzufallen. Grund ist
eine Politik, die die Ergebnisse der weltweiten durchgeführten
Forschung zur biologischen Sicherheit nicht zur Kenntnis nimmt.
Statt uns in Risikodebatten zu verschleißen, sollten wir
vor allem die Chancen der Grünen Gentechnik diskutieren,
erkennen und nutzen.